Bundespräsidentenwahl: Christian Wulff muss in den dritten Wahlgang
Eben hat Bundestagspräsident Norbert Lammert das Ergebnis des zweiten Wahlgangs der heutigen Bundespräsidentenwahl verkündet. Wieder konnte der Kandidat der Koalition, Christian Wulff, keine absolute Mehrheit erreichen. Es kommt damit zum entscheidenden dritten Wahlgang.
Mit 615 der 1242 Stimmen konnte Christian Wulff seinen Stimmenvorsprung zwar weiter ausbauen, insgesamt reichte es aber wieder nicht für die Wahl. Konkurrent Joachim Gauck konnte mit 490 Stimmen wieder ein sehr starkes Ergebnis erzielen. Damit ist das Debakel für Union und FDP perfekt. Trotz eines eindringlichen Appells an die eigenen Wahlberechtigten, Geschlossenheit zu zeigen, muss Christian Wulff nun in den dritten Wahldurchgang. Dort zählt dann die relative Mehrheit – der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt auch ohne absolute Mehrheit die Wahl.
Im dritten Wahldurchgang hätten nun die Wahlberechtigten der Linkspartei mit ihren Stimmen die Möglichkeit, Union und FDP in eine tiefe Krise zu stürzen, indem sie geschlossen für Joachim Gauck stimmen. Ob es dazu jedoch kommt, ist fraglich. Die SPD argumentiert zwar, dass dies eine Chance für die Linken sei, endlich mit dem dunklen Kapitel DDR abzuschließen, aber ob die Linkspartei dies ähnlich sieht darf bezweifelt werden. Für die Linkspartei dürfte es aus parteitaktischen Gründen im Zweifelsfall wichtiger sein, der SPD und den Grünen keinen Schützenhilfe zu leisten.
Die letzte Alternative bliebe damit die Nominierung eines neuen gemeinsamen Kandidaten von SPD, Grüne und der Linkspartei. Eine Einigung scheint aber auch hier mehr als fraglich.
