Rente mit 70 – ist der große Aufschrei wirklich berechtigt?

Das Thema Rente mit 70 schlägt derzeit extrem hohe Wellen in Medien und Bevölkerung. Führende Wirtschaftswissenschaftler hatten den Stein ins Rollen gebracht, weil sie vorgeschlagen hatten, dass die Deutschen statt bis 67 nun in naher Zukunft bis 70 arbeiten sollten. Solche Forderungen kommen bei der Bevölkerung natürlich eher nicht gut an und der große Aufschrei folgte prompt. Doch wie berechtigt ist die Forderung nach der Rente mit 70 eigentlich?

Die Menschen werden in der heutigen Zeit zwar mit zunehmenden Alter im Vergleich zu früher immer gesünder und viele Firmen beklagen auch einen Mangel an Fachkräften, doch Fakt ist, dass es in vielen Berufen aus gesundheitlichen Gründen nahezu unmöglich ist, 50 Jahre oder gar länger zu arbeiten. Eine einheitliche Regelung bezüglich der Rente mit 70 wäre damit für viele Arbeitnehmer reine Utopie und völlig unfair.

Doch was ist die Alternative? Sich Brüskieren, mit dem Finger auf andere zeigen und über die faulen Beamten oder realitätsfernen Politiker schimpfen ist ziemlich einfach. Das Problem dabei ist allerdings, dass das Rentensystem in der aktuellen Form wirklich in absehbarer Zeit den Bach hinunter gehen wird.

Der demografische Wandel ist nun einmal so wie er ist. Die Menschen werden – zum Glück – immer älter und damit erhöht sich natürlich zwangsläufig auch die durchschnittliche Rentenbezugsdauer pro Rentner. In den nächsten Jahren wird sich dieser statistische Wert im Vergleich zu 1960 fast verdoppelt haben. Die Menschen beziehen statt ca. 10 Jahre (1960) heute schon ca. 16 Jahre Rente. In naher Zukunft werden es 20 Jahre sein.

Dieser immer größer werdende Anzahl an immer länger Rente beziehenden Menschen stehen aber schon heute immer weniger qualifizierte junge Arbeitnehmer gegenüber. In Zukunft wird sich dieses Verhältnis durch die niedrige Geburtenrate noch weiter zu Ungunsten der jungen Leute verschieben.

Die Frage ist nun: Wie genau soll das jetzige Rentensystem mit den aktuellen Parametern denn dann weiterlaufen? Immer weniger junge Menschen werden immer mehr alten Menschen eine immer länger werdende Rente erwirtschaften müssen. Wenn die Verantwortlichen da nicht korrigierend eingreifen, droht dem Rentensystem der Kollaps.

Was also soll die Politik tun?

Möglich wäre eine Erhöhung der Rentenbeiträge, die stark zu Lasten der jetzigen Arbeitnehmer gehen würde. Diese sind allerdings jetzt bereits zu stark belastet.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Kürzung der Renten. Die große Zahl der Rentner ist aber gleichzeitig eine große Zahl an Wählern, also gilt diese Option unter den Politiker als reiner Selbstmord. Außerdem steigt die Anzahl der Rentner, die trotz ihrer Rente von Altersarmut betroffen sind, ohnehin schon stark an.

Zuletzt bleibt als Alternative noch die von den Wirtschaftswissenschaftlern vorgeschlagene Anpassung des Renteneintrittsalters. Wie man gerade an den Reaktionen in Medien und der Bevölkerung sieht, ist allerdings auch diese Option keine, die für Beliebtheit sorgt und ohne Probleme umsetzbar wäre. Die Gründe dafür wurden ja bereits am Anfang genannt.

Die harte Wahrheit bei diesem Thema scheint also zu sein, dass es einfach keine sinnvolle und gerechte Lösung zur Erhaltung des Status Quo gibt. Diese harte Wahrheit wollen die meisten Deutschen aber sehr ungern hören.

12.08.2010 | In den Medien | Thomas | 42 x gelesen

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