Tour de France 2009 – langweiligste Tour aller Zeiten
Miese Streckenführung, schlechte Teamkonstellationen, wenig Kampf. Die Tour de France 2009 ist die langweiligste Frankreichrundfahrt aller Zeiten! Naja, vielleicht nicht ganz. Aber zumindest der letzten Jahre.
Als alteingesessener Radsprotfan freut man sich ja jedes Jahr wie ein kleines Kind auf die 3 Wochen im Juli, die besser sind als alle anderen im Jahr. Die Tour de France steht nämlich an und mit ihr freut man sich auf spannende Massensprints, spektakuläre Bergetappen oder aber abwechslungsreiche Ausreißergruppen. In diesem Jahr war die Vorfreude allerdings völlig umsonst, denn die Tour der France 2009 war bisher die Tour der Langeweile.
Dass die Streckenplanung der Tour-Organisatoren nicht immer ideal ist (um es vorsichtig auszudrücken…), daran hat man sich über die Jahr längst gewöhnt. Alles ist absolut berechenbar. Die erste Woche gehört normalerweise den Sprintern und ist somit für alle Bergfahrerfans eher uninteressant. Dann gibts meist ein Zeitfahren und es folgen 2 – 3 echte Bergetappen. Nach 2 – 3 Überführungsetappen durch hügeliges Terrain folgt dann in der letzten Tourwoche meist noch einmal ein Feuerwerk an Bergankünften in Kombination mit einem schweren Zeitfahren, bevor es dann auf die Schlussetappe nach Paris weitergeht.
So weit, so gut. In diesem Jahr ist die Situation allerdings ein wenig anders. Nach mittlerweile elf Etappen herrscht Langeweile pur. Die Sprintankünfte auf den (zu vielen) Flachetappen werden von Mark Cavendish dermaßen dominiert, dass man sich schon freuen darf, wenn es mal irgend jemanden gelingt auch nur mit einer Radlänge geschlagen zu werden. Ein echter Konkurrent ist nicht vorhanden und wäre der gute Cav nicht so schwach am Berg, wäre auch der Kampf um das Grüne Trikot quasi schon entschieden.
Das Mannschaftszeitfahren (vierte Etappe) war noch nie eine gute Idee gewesen. Das ganze mag für Laien zwar spektakulär aussehen, sorgt aber im Endeffekt nur dafür, dass das Rennen noch langweiliger wird. Die Favoriten mit ihren starken Teams können sich ganz einfach noch mehr Vorsprung besorgen, so dass es für Topfahrer aus kleineren Teams schon beinahe unmöglich wird, in den Bergen noch ans Gelbe Trikot zu kommen. In diesem Jahr war das Mannschaftszeitfahren aber noch ein größerer Reinfall. Das dominierende Astana Team, das mit 4 oder 5 Leuten an den Start gegangen ist, die in jedem Jahr für einen Podiumsplatz in Paris gut wären, konnte dank des Mannschaftszeitfahrens seine Dominanz noch weiter ausbauen. Ein Graus für alle Fans von spannenden Radrennen.
Das alles wäre ja noch ok, wenn es wenigstens ordentliche Bergetappen geben würde, wo die reinen Bergspezialisten oder Fahrer kleinerer Teams ihren Rückstand wieder aufholen könnten. Doch nachdem nun schon die Hälfte der Tour 2009 vorbei ist, gab es noch immer keine einzige echte Bergetappe von Bedeutung. Entweder haben die Organisatoren die Etappen so doof gestaltet, dass die riesigen Gipfel schon 100 Km vor dem Ziel erklommen werden müssen und danach nur noch flache Stücke folgen, oder aber es gibt eine Bergankunft mit einem Roller-Berg als Etappenziel (Andorra). So oder so, ernsthafte Angriffe kann da natürlich niemand erwarten.
Insgesamt kann man die Tour auch schon als längst entschieden betrachten. Die Abstände halten sich aufgrund der lahmen Streckenführung zwar noch in Grenzen, doch das dominierende Team mit den individuell besten Fahrern ist längst in Führung und auf den wenigen verbliebenen Bergankünften ist nicht damit zu rechnen, dass auch nur irgendein Nicht-Astana-Fahrer das Gelbe Trikot erobern könnte.
Die Tour de France beweist also in diesem Jahr aufs Neue: der beste und spannendste Radsport innerhalb einer dreiwöchigen Rundfahrt wird jährlich beim Giro d’Italia geboten. Der Giro hat der Tour sportlich längst den Rang abgelaufen.
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